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Da haben wir den Salat: Das Grünzeug und die "Beulenpest"
Cellulite: Ist der Salat schuld?
Alle Frauen leiden an Cellulite. Alle? Nein. Die Asiatinnen kennen sie gar nicht, die „Orangenhaut“. Die essen allerdings auch niemals Salat. Der hatte bisher ein untadeliges Image, doch jetzt blättert sein Nimbus. Ist er womöglich sogar verantwortlich für jene hässlichen Beulen an Beinen und Po, an denen viele Frauen verzweifeln? Das behauptet ein süddeutscher Klinikdirektor. DR. WATSON hat ihn getroffen.
Lieber eine Amphore Wein: Salatkritiker Dr. Michael Zimmermann (links) mit DR. WATSON-Redakteur Hans-Ulrich Grimm.

Lieber eine Amphore Wein: Salatkritiker Dr. Michael Zimmermann (links) mit DR. WATSON-Redakteur Hans-Ulrich Grimm.
© Eva-Maria Peters
Dr. Michael Zimmermann ist Chef und Inhaber der gleichnamigen Klinik in Badenweiler, zwischen Freiburg und Basel. Sie liegt am Ortsrand, in einem kleinen Park, ganz oben am Wald, wirkt eher wie eine größere Villa oder ein Hofgut. Kies knirscht in der Auffahrt. Innen sieht es aus wie in einem nicht mehr ganz so neuen Ferienhotel.

Er hat Patienten aus der ganzen Welt, zeigt Fotos und erzählt wundersame Geschichten wie von jener alten Dame, die mit 90 Jahren im Krankenwagen ankam, nach drei Wochen zu Fuß zum Friseur ging und mit 103 Jahren auf seiner Harley-Davidson mitfahren wollte.

Oder von jener Ärztekollegin, die bei ihm ankam und von ihrem „Hagelschaden“ erzählte. So nennt er die Dellen an den weiblichen Problemzonen, die gemeinhin als „Cellulite“ gefürchtet sind.

Sie aber meinte tatsächlich die Schäden an ihrem Mercedes SLC Cabrio, in den auf der Anreise Hagelkörner eingeschlagen hatten. „Nicht an den Beinen, das hast Du mir doch weggemacht vor zehn Jahren“. Sie ist jetzt 52.

Cellulite. Orangenhaut. Der Schrecken der Frauen, an den Problemzonen, Oberschenkel und Po.

Dr. Zimmermann ist kein Schönheitsdoktor mit dem Skalpell, kein Anti-Aging-Arzt mit der Spritze oder dem Botox-Beutel. Er ist einer der führenden Vertreter der F.X.-Mayr-Medizin, benannt nach dem Wiener Arzt Franz Xaver Mayr (1875 bis 1965), der im Verdauungstrakt ein zentrales Element der Gesundheit sah. Mittlerweile wurde das durch wissenschaftliche Erkenntnisse weithin bestätigt, etwa zur Rolle des sogenannten Mikrobioms, der Gemeinschaft der Bakterien im Darm, für zahlreiche Krankheiten.

Aber die Orangenhaut?

Offiziell gilt das, woran Millionen Frauen leiden, ja gar nicht als Krankheit. Allenfalls, so meint etwa die Süddeutsche Zeitung, als „Scheinerkrankung“, gegen die sowieso „kein Kraut gewachsen ist“, so das Qualitätsblatt, das sich medizinisch natürlich total gut auskennt:

„Medizinisch entsteht die Cellulite durch eine strukturelle Veränderung des weiblichen Bindegewebes. Eine Schwäche der Bindegewebsfasern führt dazu, dass Unterhaut-Fettgewebe in höhere Hautschichten vordringt - die Fasern halten die Fettpartikel säulenförmig zusammen“, doziert der zuständige Medizin-Mann: „Zusätzlich sammelt sich vermehrt Bindegewebswasser in den oberen Hautschichten an, und der Fettgewebeaufbau verändert sich.“

Eine gute Nachricht aus der Welt der Reichen und Schönen hat das Bayernblatt auch parat: Prominente „Orangenhautträgerinnen“ wie Britney Spears, Kate Hudson, Mischa Barton und Kylie Minogue hätten inzwischen immerhin „eine positive und bejahende Grundhaltung zu ihrer ausgeprägten Cellulite entwickelt“.

Für einen Mediziner wie Dr. Zimmermann ist das nicht die beste Option, eine „positive Grundhaltung“ zu entwickeln, wenn etwas nicht stimmt mit dem Körper.

Zumal, wenn es andere Frauen gibt, die so ein Problem gar nicht haben.

Die Frage ist: Warum leiden die meisten Frauen im Westen daran, in Asien aber kaum eine ihrer Geschlechtsgenossinnen?

Für Klinikchef Zimmermann ist Cellulite eine reine Bauchsache. Die Ursache sieht er, wie bei den meisten Krankheiten, im Darm. Genauer: In den vermeintlich besonders gesunden Sachen, die dort heute bei vielen Frauen landen: Rohkost. Oder genauer: Salat.

Der Salat ist ja bei vielen Frauen das Hauptnahrungsmittel. Weil er ja so gesund sein soll, und gut für die Figur.

Mittlerweile wächst allerdings die Kritik. Salat sei „überschätzt“, schrieb die Washington Post.

In Wahrheit ist der Salat so gesund wie ein nasses Papiertaschentuch, wie der Nahrungs-Lästerer Udo Pollmer enthüllt hat. Das klingt provokant. Doch die Zahlen sprechen dafür.

Beispiel Eisbergsalat, Lieblingssorte der Deutschen: Hundert Gramm Eisbergsalat enthalten 95 Gramm Wasser. Daneben kümmerliche 1,6 Gramm Kohlenhydrate, etwa 1 Gramm Eiweiß und 0,2 Gramm Fett.

Nährwertmäßig also beinahe eine Nullnahrung, räumt sogar die maßgebliche wissenschaftliche Fachgesellschaft ein, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): "Salat ist im Vergleich zu anderen Gemüsesorten nicht sehr vitamin- und mineralstoffreich", sagt eine Sprecherin der Gesellschaft.

Schon die als Urmutter der Ernährungsweisen verehrte Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) stellte sich gegen das kalte Grünzeug. Sie sah im Salat ein “frostiges Prinzip“ am Werk: »Unzubereitet gegessen, macht sein zu nichts tauglicher Saft das menschliche Gehirn leer und erfüllt den Magen und den Darm mit Krankheitsmaterien.«

So ähnlich sieht das auch Dr. Zimmermann, der Klinikchef aus Badenweiler. Er wendet sich ebenfalls gegen den Salatwahn.

„Eine Katastrophe“, sagt Dr. Zimmermann.

DR. WATSON: „Warum das denn?“

Dr. Zimmermann: „Der Salat, der gärt. Und nicht nur Salat, überhaupt Rohkost. Der Mensch ist nicht gemacht für Rohkost. Das gärt im Darm, es bilden sich Gase, er wölbt sich vor, und fällt nach unten, der Schwerkraft folgend. Er sollte ja oben im Zwerchfell haften.“

DR. WATSON: „Und dann?“

Dr. Zimmermann: „Wenn der Darm erschlafft ist und wie ein fauler Sack auf dem Beckenboden liegt, können die Venen nicht abfließen. Zwischen den Zellen sammelt sich da die gestaute Lymphe.“

DR. WATSON: „Cellulite.“

Dr. Zimmermann: „Das hat jede Frau.“

DR. WATSON: „Außer den Asiatinnen.“

Dr. Zimmermann: „Sehen Sie, weil die nichts Rohes essen. Das ist es, was wir empfehlen: Gemüse, schonend gegart, im Wok, zum Beispiel.“

Die Kritik am Salat ist deshalb vor allem in asiatisch inspirierten Kreisen verbreitet. „Schadet Dein ‚gesunder’ Salat mehr, als er nützt? “ So fragt zum Beispiel die kalifornische Biologin JoAnna Montoya, die sich auf fernöstliche Medizin spezialisiert hat, und auf die Begleiterscheinungen im Verdauungstrakt verweist, Gase, Blähungen, Winde...

So etwas möchte auch der Klinikchef aus Badenweiler möglichst vermeiden:

Dr. Zimmermann: „Ich ess nie was Rohes. Nie. Nur Obst ess ich. Einen Apfel. Oder Trauben. Und auch die am liebsten in veredelter Form.“

DR. WATSON: „Als Obstler.“

Dr. Zimmermann: „Nein, als edlen Rotwein.“

Der Wein. Die Universalwaffe der Anti-Aging-Gurus, die DR. WATSON letzten Sommer im Silicon Valley traf. Den Schweizer Professor Tony Wyss-Coray zum Beispiel, der in Stanford lehrt.

Der Wein ist auch fester Bestandteil der sogenannten Mediterranen Ernährung, der Mittelmeerkost, bei der es ja auch erstaunlich wenig Rohes gibt, dafür delikate Antipasti, gebratenes und gekochtes Gemüse, auch in Suppenform, wie bei der Minestrone.

Auch ein nachweislich wirksamer Weg zum längeren, gesünderen Leben, wie etwa die fröhliche Professorin Stefania Maggi aus Italien bei einem Kongress in San Francisco berichtet hatte (siehe DR. WATSON vom 29. Juli 2017).

Ob er auch gegen Cellulite hilft, das ist allerdings noch offen.

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