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25.11.2020

DR. WATSON Facts

Warnung vor Corona-Nahrung

Lebensmittelampel: Es gäbe da was Besseres

Ein einfaches Label warnt vor Nahrungsmitteln, die Corona begünstigen. Gibt’s nicht? Gibt’s doch. Nur leider nicht bei uns. Warum redet darüber eigentlich niemand?


Gesundheitstipp / DR. WATSON

Das Modell, das es bei uns nicht gibt, macht schon weltweit Karriere. Es ist einfach und einleuchtend.

Das Grundprinzip: Obst ist gesund, Fast Food und Cola nicht.

Entscheidend ist der Grad der Verarbeitung, die Entfernung von der Natur.

Vier Stufen gibt es insgesamt, von unverarbeiteten Lebensmitteln wie Erdbeeren, Eiern, Fleisch bis zu den „ultraverarbeiteten“ und damit ungesunden Produkten wie Fast Food, Soft Drinks, Fertiggerichten – diejenigen also, die die berühmten „Vorerkrankungen“ fördern und damit Corona begünstigen.

Die Weltorganisationen für Ernährung und Gesundheit arbeiten schon damit, es wird auch schon als staatliches Bewertungssystem genutzt – aber nicht bei uns.

Was es in Deutschland gibt, seit diesem Monat, ist eine „Lebensmittelampel“ nach dem Nutri-Score-Modell.

Hier geht es um Inhaltsstoffe mit gutem Image, wie Ballaststoffe, und andere mit bösem, wie Zucker und Fett. Ein Algorithmus bewertet das Verhältnis von guten und bösen Elementen – und gibt dann das Urteil ab, in fünf Stufen, von Grün (A) bis Rot (E).

Darüber herrscht einhellige Begeisterung – fast.

Firmen sind dafür, Danone zum Beispiel, denn die neue Ampel schaltet auf „Grün“ für die bisher sehr umstrittenen Fruchtzwerge.

Nestlé ist ebenfalls begeistert , denn es gibt auch Grün für Tiefkühlpizzen der Konzerntochter Wagner.

Verbraucherverbände sind auch dafür, jubilieren sogar („Der Nutri-Score ist endlich da!“).

Wobei von der Stiftung Warentest auch leise Kritik anklingt:

„Alle Kennzeichnungssysteme haben Lücken, auch der Nutri-Score“.

Er hat seine Schwachstelle, zum Beispiel, bei der fragwürdigen Bewertung der echten, traditionellen Lebensmittel, die erwiesenermaßen gesund sind. Da sind sich die Mediziner ja ausnahmsweise einig. Die Mediterrane Ernährung gilt bekanntlich als „Goldstandard“ bei der Vorbeugung gegen Krankheiten.

Doch ausgerechnet etwas anerkannt Gesundes wie Olivenöl kommt beim Nutri-Score ganz schlecht weg. Vorwurf: 100 Prozent Fettanteil.

Auch wird ein Bio-Apfelsaft schlechter eingestuft als Cola light. Für die gute Butter gibt es sogar das Stoppsignal: Rot.

Und ein Apfel kriegt gar nichts. Wird einfach ignoriert.

Denn für natürliche, unverarbeitete Lebensmittel sei das System, sagt wiederum die Verbraucherzentrale, sowieso „nicht sinnvoll und auch nicht gedacht.“

Ganz im Gegenteil: „Ein Label wie der Nutri-Score eignet sich vor allem für komplex zusammengesetzte und stark verarbeitete Lebensmittel“, sagt die Verbraucherzentrale.

Das wiederum sind genau jene Nahrungsprodukte, die die weltweite Covid-19-Pandemie fördern, indem sie das Risiko für die berühmten „Vorerkrankungen“ erhöhen.

In Deutschland zum Beispiel hatten nach Recherchen eines Teams um Christian Karagiannidis, im renommierten Medizinerorgan The Lancet veröffentlicht, unter 10 021 Corona-Opfern in Krankenhäusern 56 Prozent Bluthochdruck, 28 Prozent die Zuckerkrankheit Diabetes, 27 Prozent Herz-Rhythmus-Störungen, und 6 Prozent waren fettleibig.

Und, auch das zeigen wissenschaftliche Studien, genau diese Krankheiten werden begünstigt durch vorfabrizierten »Frucht«­Joghurt, durch Tiefkühlpizza, Cornflakes und Müsli aus dem Pappkarton, auch industrielle Babynahrung wie Gläschenbrei und Fläschchenmilch, kurz: durch die "ultra-verarbeitete" Nahrung.

Sie bereitet den Boden für die aktuelle Pandemie, indem sie das Risiko erhöht für Diabetes, Herzleiden, Bluthochdruck, Krebs, Übergewicht. Und: Sie schwächt auch das Immunsystem.

Um so wichtiger, diese Nahrungsmittel zu identifizieren, die Krankheiten und Pandemie begünstigen.

Das Konzept dafür stammt aus Brasilien, jenem Land also, das weltweit zur Corona-Spitzengruppe gehört. Entwickelt hat es die „NOVA“-Forschungsgruppe um Professor Carlos A. Monteiro von der Universität in São Paulo.

Das Modell hat eine steile Karriere gemacht, ist mittlerweile weltweit etabliert, auch in internationalen Institutionen wie etwa der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wo Professor Monteiro Mitglied der WHO Nutrition Guidance Expert Advisory Group ist, einer sachverständigen Beratungsgruppe zu Ernährungsfragen.

Auch die Welternährungsorganisation FAO nutzt die NOVA-Klassifikation.

In insgesamt 79 Ländern haben Forscher das System angewandt.

»Der wichtigste Faktor bei der Betrachtung von Lebensmitteln, Ernährung und Volksgesundheit«, sagt Monteiro, »sind heute nicht mehr die Nährstoffe und nicht die Lebensmittel", sondern das, was damit "gemacht wird“.

Es geht also um die Verarbeitung der Lebensmittel – und um das, was „mit uns als Folge der Verarbeitung geschieht.«

Deshalb gibt es eine grüne 1 für gänzlich unverarbeitete Sachen, Obst, Eier, Fleisch. Das soll „die Basis der Ernährung“ sein.

Eine leuchtend gelbe 2 gibt es für leicht verarbeitete Lebensmittel wie Butter, Mehl, auch Honig, Zucker und Salz. Die sollen „in kleinen Mengen zum Zubereiten frischer Gerichte“ verwendet werden.

Eine 3 und die Farbe Orange bekommt Brot zum Beispiel, auch Marmelade, Wein und Bier. Empfohlen als „Beigabe“ zu frischen Gerichten.

Die 4 in Warnfarbe Rot ist reserviert für die wirklichen Problemprodukte, die »ultraverarbeiteten« Erzeugnisse. Fertiggerichte, Fast Food, auch Frühstücksflocken, fertiger Fruchtjoghurt, süße Soft Drinks. Das sei zu „meiden“.

Die „ultra-verarbeitete“ Nahrung: Das sind nach der Definition der NOVA-Forscher völlig neuartige Verzehrprodukte, die mit herkömmlichen, natürlichen Lebensmitteln kaum etwas zu tun haben.

Sie stammen von Konzernen, die die NOVA-Forscher auch namentlich nennen: Zum Beispiel Nestlé, Unilever, Coca-Cola, Mars, Danone, Kellogg’s.

Sie enthalten übermäßig viel Zucker und ungesunde Fette, auch industriell produzierte Vitamine, dabei auf der anderen Seite zu wenig Ballaststoffe, natürliche Vitamine, gute Fette. Sie enthalten Chemikalien und Stoffe zur Geschmacksmanipulation, und sogar ungesunde Stoffe, die erst während der Produktion entstehen, sogenannte „Prozesskontaminanten“.

Das NOVA-Label fördert mithin gezielt die natürliche, traditionelle Nahrung, gibt Grün fürs Gesunde, und nicht für Ungesundes, so wie der Nutri-Score.

Der ist bis jetzt, immerhin, noch freiwillig. Wenn diese Art von Nutri-Ampel aber in der Europäischen Union verpflichtend wird, fürchten manche Länder schon um ihre traditionellen Ernährungssysteme - und sogar um die anerkannt gesunde mediterrane Kost.

Italien zum Beispiel, von Corona ohnehin hart getroffen, auch aufgrund eines unzureichenden Gesundheitswesens.

Wenn die „ultra-verarbeiteten“ Nahrungsmittel sich dort weiter verbreiten und die mediterrane Ernährung, die den besten Schutz vor Krankheiten bietet, weiter zurückgedrängt wird, dann könnten die Folgen noch verheerender sein.

Im Land von Antipasti und Risotto und Vino ist deshalb der Widerstand gegen den von Nestlé & Co favorisierten Nutri-Score groß, und zwar flügelübergreifend auf dem ganzen politischen Spektrum.

Die „Ampelkennzeichnung benachteiligt Produkte aus der mediterranen Ernährung“, sagt die rechte Lega-Abgeordnete im EU-Parlament Susanna Ceccardi, 33.

Und der linke Gesundheitsminister bläst zum Kampf gegen Brüssel, sammelt Gleichgesinnte in anderen Ländern, hatte sich auch schon mit der neuen EU-Gesundheitsministerin getroffen, die den schönen Namen Stella Kyriakides trägt und aus dem mediterranen Zypern stammt.

Er wolle die „mediterrane Ernährung, die ein grundlegendes Stück unserer nationalen Identität ist“, verteidigen, sagt der 41jährige, der übrigens Roberto Speranza heißt.

Und Speranza, das bedeutet im Italienischen: Hoffnung.

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