Ohne Moos nichts los: "Studienarzt" Stefan Kabisch forscht an der Berliner Charité mit freundlicher Unterstützung von Sponsoren.
Käufliche Wissenschaft und die Folgen. Heute: Wie ein aufstrebender Forscher uns in die Irre führt – und wir auch noch dafür bezahlen müssen.
Stefan Kabisch ist ein aufstrebender Nachwuchsforscher, „Studienarzt“ an der berühmten Charité in der deutschen Hauptstadt Berlin. Und er ist auch ein Medienliebling. Im öffentlich-rechtlichen Deutschlandfunk durfte er jetzt eine Stunde lang seine Sicht der Dinge verkünden. Ohne Unterbrechung, ohne Nachfragen, ohne kritische Einordnung.
Es ging um Zucker. Ein wichtiges Thema. Ein Menschheitsthema. Gesundheitlich und auch kommerziell. Ein Milliardending. Ja, sogar ein Billionending. Umsatzmäßig. Und er steckt mittendrin.
Gleich zu Beginn geht es um seine Sponsoren. Mediziner Kabisch versichert: „Keine unserer Studien ist durch die Zuckerindustrie gefördert“.
Das stimmt leider schon mal nicht.
In Wahrheit bekam er „research support“ von einer Firma namens Südzucker Beneo. Also: von der Zuckerindustrie. Europas größtem Zuckerkonzern. So steht es in der Liste seiner Interessenkonflikte (Screenshot: YouTube/Montage: DR. WATSON).
Die müssen in der Wissenschaft deklariert werden. Weil sie den Verdacht nahelegen, dass durch solche geschäftlichen Verbindungen die Urteilskraft getrübt werden könnte.
Wie bei unserem aufstrebenden Experten. Der von unserem Geld bezahlt wird. Und seine Sicht der Dinge in einem Sender verkünden darf, für den wir ebenfalls alle bezahlen müssen.
Daneben aber genießt er auch freundliche Unterstützung durch den weltgrößten Pharma-Giganten Lilly. Der verdient viele Milliarden mit Dicken und Diabetikern, ist an der Börse über eine Billion Dollar wert. Hat also starkes Interesse daran, dass möglichst viele Menschen dick und möglichst lange krank sind.
Zucker kann da helfen. Lilly-Partner und Charité-Diabetesforscher Kabisch beruhigt: Zucker sei ganz normal: „Zucker ist ein Grund-Nährstoff, der seit jeglicher Zeit in unserem Speiseplan vorkommt“.
Wahr ist: Den Zucker gibt es erst, seit es Fabriken wie die seines Sponsor Südzucker gibt. Die ihn isolieren und als weißes Pulver anbieten. In der Natur gibt es keinen (puren) Zucker. Nur Obst. Äpfel. Himbeeren. Mangos.
Der Körper hat ein elaboriertes System entwickelt, um die Früchte der Natur zu verarbeiten. Dieses intelligente System wird ihm heute zum Verhängnis – durch ein naturwidriges Überangebot an Süßem.
Doch der Haus-Experte des Deutschlandfunks verunglimpft unseren Organismus. Mit einer Behauptung, die sein Sender sogar noch zum „Merksatz“ erhebt. "Was in der Steinzeit sinnvoll war, ist heute ein Problem."
Kabisch betreibt damit klassische Täter-Opfer-Umkehr. Der Körper ist schuld. Gott also, der ihn so geschaffen hat. Nicht die „toxische Umgebung“ von heute, die seriöse Wissenschaftler kritisieren. Die widernatürliche Versüßung der Nahrungskette, die uns krank macht.
Kabisch aber preist die Produkte seines Süß-Sponsors, der auch an „alternativen“ Mitteln zur Geschmacksmanipulation verdient. Er behauptet: „Tatsächlich wohl gesündere Alternativen zum Zucker sind die Zuckersatzstoffe.“
Was er komplett unterschlägt: Die Bedeutung des Süßgeschmacks für unseren Organismus. Und die spektakulären Erkenntnisse der medizinischen Forschung dazu aus den letzten Jahren: Dass unser Körper dafür überall Sensoren postiert hat.
Süßrezeptoren: Im Gehirn. In der Nase, den gesamten Atemwegen. In Leber, Herz und Nieren. Im Darm und in der Bauchspeicheldrüse. In den Knochen. Sogar in Hoden, Spermien, Eierstöcken.
Warum? Weil der Geschmack so wichtig ist. Für unseren Stoffwechsel, den sogenannten Metabolismus. Sagt die medizinische Forschung.
Von Kabisch kein Wort dazu. So ist das leider: Bei den vielen geschäftlichen Verpflichtungen kann man schon mal das Wesentliche aus dem Blick verlieren.
Und so verschweigt er auch die Folgen der massiven Manipulationen am Geschmack. Den Betrug an den Sensoren. Durch seine Sponsoren aus der Süß-Industrie. Und die Zusammenhänge mit jenen Krankheiten, von denen seine Sponsoren aus der Pharma-Industrie profitieren.
Immerhin: Am Schluss preist er die Mediterrane Ernährung, als Weg aus der Misere. Bisschen Fleisch und Fisch. Keine Chemie. Wenig Zucker. Natürliche Süße aus Früchten. Da funktioniert es sogar, unser System aus der Steinzeit. Da gibt es plötzlich gar kein Problem mehr.
Echtes Essen meets Evolution: Dann klappt das schon. Ehrlich.
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