Geldgierige Professoren gefährden Ihre Gesundheit. So wie dieser (einstige) Chef einer einflussreichen Ärztevereinigung. Sie propagiert die umstrittene Cholesterinsenkung. Auch deutsche Professoren sind dabei – ebenfalls mit Verbindungen ins Pharma-Milieu.
Kauf dir einen Professor – für 60 Millionen! Ein britischer Herzspezialist setzt neue Maßstäbe in Sachen Korruption. Darüber berichtete jetzt das renommierte Fachblatt British Medical Journal (BMJ). Ans Licht gebracht hatte den Skandal der dänische Fernsehsender TV2.
Zwischen 2006 und 2015 kassierten Professor Kim Fox und seine Frau Karen Summers, ehemalige Führungskraft in der Pharmaindustrie, von Firmen mehr als 50 Millionen Pfund (fast 60 Millionen Euro), als Co-Direktoren eines Auftragsforschungsinstituts, das ihnen selbst gehörte.
Ein „monströser“ Fall von Interessenkonflikten, kommentierte eine Kennerin der Verhältnisse. Und ein Kardiologen-Kollege von einem benachbarten College verlor angesichts des Vorgangs die akademische Contenance: „Das ist zum Kotzen!“
Dabei ist der Vorgang, wie es in der Medizin heißt, hoch normal. Also im oberen Bereich des Üblichen. Er zeigt, wie eng Wirtschaft und Wissenschaft verflochten sind, zum gegenseitigen Wohl. Und wie das Gesundheitswesen zur Krankheitsindustrie verkommen ist, bei dem nicht Heilung das Ziel ist, sondern maximaler Profit.
Gerade Kardiologenkongresse sind eher Verkaufsmessen als Orte wissenschaftlicher Debatten. Man kennt sich, man lacht, macht Geschäfte.
Der Professor mit dem einnehmenden Wesen weist denn auch Vorwürfe unethischen Verhaltens entschieden zurück. Er habe im Einklang mit den damals geltenden Vorgaben gehandelt. Seine Wirkungsstätte, das berühmte Imperial College in London, listet immer noch stolz die Verdienste ihres Leistungsträgers auf.
Professor Fox hat über 600 Artikel in führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht. Er war Träger zahlreicher medizinischer Auszeichnungen. An vielen wichtigen Studien war er beteiligt. Sogar ganz nah dran am königlichen Herzen - Kardiologe der britischen Königin Elizabeth II.
Und er war Vorstandsmitglied und später Chef einer weltweit einflussreichen Ärztevereinigung, der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie.
So ein Fall sei heute „undenkbar“, versichert Professor Thomas F. Lüscher aus der Schweiz, der aktuell amtierende Präsident dieser Fachgesellschaft, die sich seit Jahrzehnten für die umstrittene Cholesterinsenkung einsetzt, dem Herzen zuliebe. Zuletzt 2025 empfahl sie die Produkte der Pharmaindustrie als „Mittel der ersten Wahl“.
Natürlich geht es auch dabei auch Geld. Um bis zu 40 Milliarden US-Dollar im Jahr. Viele der Beteiligten, auch an den aktuellen „Guidelines“, haben eindrucksvolle Listen von „Interessenkonflikten“, also geschäftlichen Verbindungen zu Unternehmen, die daran verdienen. Der bei den deutschen Medien so beliebte Professor Ulrich Laufs aus Leipzig zum Beispiel. Oder auch Professor Ulf Landmesser von der Berliner Charité.
Sie profitieren sicher nicht so üppig wie ihr Londoner Kollege, der ungekrönte King of Corruption unter den Kardiologen dieser Welt. Bei seriösen Forschern sorgen solche „Interessenkonflikte“ für wachsende Besorgnis. Sogar in den führenden Fachjournalen dieser Welt. Schließlich geht es nicht nur um moralische Verfehlungen. Sondern auch um die Glaubwürdigkeit der Expertenbranche. Und: Um unsere Gesundheit.
Korrupte Professoren gelten da mittlerweile als eigenständiger Risikofaktor (mehr dazu hier).