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Desulfovibrio

Sie sind verantwortlich, wenn der Darm durchlöchert wird – zum Beispiel durch Kartoffelpüree aus der Tüte: Aggressive Bakterien vom Typ Desulfovibrio. Sie ernähren sich von Schwefel und Schwefelverbindungen. Sie finden sich im Flussschlamm, aber auch gehäuft im Darm von Menschen, die viel mit Sulfiten (E220 bis E227) konservierte Fertignahrung essen wie etwa industrielles Kartoffelpüree, aber auch Trockenfrüchte. Die Bakterien sind bei Ölbohrfirmen gefürchtet, weil sie die Pipelines von innen her anfressen. Bei Menschen können sie zum Leaky Gut Syndrom führen, zu Darmentzündungen und sogar zu neurologischen Problemen. 

 

Eine Gruppe britischer Wissenschaftler hatte vor Jahren den Schlamm in der Mündung des Flusses Tay in der Nähe des Hafens von Dundee an der Ostküste Schottlands untersucht und eine bestimmte Sorte Bakterien gefunden, die sich dem Abbau von Schwefel widmen und daraus ihre Lebensenergie gewinnen: Desulfovibrio.

 

Einige dieser Wissenschaftler führte ihre Karriere später in ein Team, das sich mit der Erforschung des menschlichen Verdauungskanals beschäftigte – und überraschenderweise stießen sie hierbei wieder auf jene Bakterien, die liebend gern Schwefel verzehren.

 

Diese bewohnten den Verdauungstrakt vor allem jener Menschen, deren Darmwand angegriffen war: 96 Prozent aller Patienten mit Darmentzündung (»Colitis ulcerosa«) und immerhin jeder Zweite der (noch) Gesunden hatten auch die schwefelfressenden Bakterien im Leib.

 

Spätere Studien zeigten, dass sie auch bei neurologischen Problemen involviert sein könnten, ebenso bei Autismus.

 

Dass diese ein aggressives Milieu schaffen, war seit Längerem bekannt: So hatten große Ölfirmen schon in den 1980er Jahren festgestellt, dass Bakterien dieses Typs ihre Pipelines angriffen und erheblichen Schaden anrichteten.

 

Dass sie den Darmkanal ebenfalls besiedeln und beschädigen, das war bis dahin nicht bekannt. »Das ist eine potenzielle Bombe«, meinte John Cummings, einer der beteiligten Wissenschaftler.

 

Denn schließlich enthielten viele Fabriklebensmittel, die massenhaft verzehrt werden, jene Schwefelverbindungen. Wer häufig Fertiggerichte isst, verzehrt große Mengen dieser Schwefel-Additive: Nach einer Untersuchung der EU-Kommission über Zusatzstoffe nehmen Erwachsene bis zum 2,6fachen und Kinder sogar bis zum 12fachen der akzeptablen Tagesdosis zu sich.

 

Das ist kein Wunder, denn Schwefeldioxid und andere Sulfite sind europaweit für 61 Lebensmittelgruppen als Konservierungsstoffe zugelassen. Auch wer viel Fleisch isst, kann das Wachstum der Bakterien fördern.

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