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Naturidentisch, Aroma

Als "naturidentisch" wurden früher manche industriellen Aromen bezeichnet. Das sollte naturnah klingen, wobei es in Wahrheit natürlich völlig künstliche Substanzen waren, die da in einem Aroma aus dem Labor für Geschmack sorgten. "Naturidentisch" bedeutete nur, dass die für die Geschmacksnachbildung verwendeten Chemikalien irgendwo in der Natur schon einmal vorgekommen sein müssen - das kann in einem Baum, einem Misthaufen, einem Steinbrocken gewesen sein.

 

Als das öffentlich geworden war (siehe Hans-Ulrich Grimm: Die Suppe lügt), und sich immer mehr Leute hinters Licht geführt fühlten, reagierte die Europäische Union und führte ein neues Regelwerk ein.

 

Darin wurden alle chemischen Zusätze, früher selbst von Experten oft als "Fremdstoffe" diffamiert, pauschal aufgewertet, als "Stoffe zur Verbesserung von Lebensmitteln" (Food Improvement Agents). Das entsprechende Gesetzespaket heißt deshalb Food Improvement Agents Package, kurz FIAP, und die bei Konsumenten unbeliebten Vokabeln wurden eliminiert.

 

"Naturidentisches" Aroma gibt es jetzt nicht mehr, "künstliches" Aroma erst recht nicht.

 

Die unbeliebten chemischen Stoffe verzehren sie natürlich weiterhin, sie tragen jetzt nur schönere Namen und sind schwerer zu erkennen.

 

Was früher ein "naturidentisches" Aroma in Geschmacksrichtung Erdbeere war, also ein völlig chemisch-synthetisches Produkt, das nach Erdbeere schmeckt, darf nach der einschlägigen FIAP-Verordnung (EG) Nr. 1334/2008 jetzt den Ehrentitel "Erdbeeraroma" tragen, auch wenn kein einziges Molekül davon aus einer Erdbeere stammt (Aroma).

 

 

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Das DR. WATSON Lexikon gibt keine medizinischen Ratschläge oder Empfehlungen. Das DR. WATSON Lexikon informiert über Nahrungsmittel – unabhängig, wissenschaftlich fundiert, verständlich. Und immer mit einer klaren Perspektive: Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Konsumenten.

Das DR. WATSON Lexikon betrachtet auch die Rolle der Ernährungssysteme, auf der einen Seite die großen Konzerne mit der globalen industriellen Einheitskost, auf der anderen Seite die kleinen Bauern, Gärtner, Köche, die traditionelle Ernährung, etwa die mediterrane Kost, die als Königsweg gilt zu einem gesunden und langen Leben.

Es informiert über die Auswirkungen der Nahrungsmittel auf den menschlichen Organismus, insbesondere über die Folgen deren industrielle Produktion, auch auf, die Umwelt, den Planeten.

Das ist das neue Paradigma bei der Bewertung: Der Grad der Entfernung von der Natur.

Immer mehr Fachleute in aller Welt sehen dies als wesentliches Kriterium bei der Frage nach dem gesundheitlichen Wert der Lebensmittel.

Denn es ist ein großer Unterschied, ob ein Erdbeerjoghurt selbst gemacht wird, mit frischen Früchten, oder ob er aus dem Plastikbecher kommt. Und die Tiefkühlpizza ist ein völlig anderes Nahrungsmittel als das traditionelle Vorbild. Auch bei den Vitaminen ist es wichtig, ob sie aus einem Apfel kommen, oder aus der Corn-Flakes-Packung, oder gar als Pille aus der Apotheke, dem Drogeriemarkt oder dem Internet.

Es geht im 21. Jahrhundert nicht mehr bloß um Kalorien, um Nährstoffe und Schadstoffe, Viren und Bakterien, um Zucker, Fett, Vitamine.

Es geht auch um die Chemie im Essen, um Kollateralschäden der industriellen Produktion, sogar um die Verbindungen von Medien und einflussreichen Fachleuten zu Industriekonzernen – und um allfällige Schieflagen im Expertenurteil, die bei Konsumenten zu Fehlentscheidungen bei der Nahrungsauswahl und damit zu Gesundheitsproblemen führen können.

Das DR. WATSON Lexikon zeigt die Folgen der industriellen Herstellung von Nahrung –auch für die Gesellschaft, die einen immer größeren Aufwand treiben muss, um die zunehmende Krankheitslast zu bewältigen.

Die Industrialisierung der Nahrung hat auch Auswirkungen auf die Psyche, das Wohlbefinden, die individuelle Leistungsfähigkeit und das Verhalten.

Die industrielle Nahrungsproduktion stellt eine epochale Veränderung dar, nach Ansicht mancher Experten vergleichbar mit den Umwälzungen in jener Zeit, als die Menschen sesshaft wurden.

Es geht um uns alle, ganz persönlich, auch um unsere Kinder, deren Zukunft, die ganze Gesellschaft, sogar um die Tiere, die unter der Entfremdung von den natürlichen Grundlagen ebenfalls leiden.

Mehr Wissen über diese Veränderungen – und was sie für mich bedeuten: Das DR. WATSON Lexikon liefert die nötigen Informationen – und damit wertvolle Anregungen für den Weg aus der industriellen Ernährungsfalle.