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Noppen, Karel van

Der belgische Amtstierarzt Karel van Noppen ist eine Symbolfigur für den schwierigen Kampf der Behörden gegen kriminelle Praktiken in der Agro-Industrie. Seine Geschichte wurde sogar verfilmt, der Streifen wurde für einen Oscar nominiert.

 

Van Noppen hatte in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gegen die Hormonmafia in Belgien ermittelt. Im Februar 1995 wurde sein Mercedes 190 auf der Straße gestoppt. Van Noppen musste aussteigen und wurde auf freiem Feld mit drei Schüssen hingerichtet.

 

Erst sieben Jahre später wurden die Verantwortlichen verurteilt.

 

Noppens Geschichte bildete die Vorlage für den belgischen Kriminalfilm „Bullhead“, der am 2. Februar 2011 seine Kino-Premiere in Belgien hatte und im gleichen Monat auch auf der Berlinale, dem Filmfestival in der deutschen Hauptstadt, gezeigt wurde. Der Film war auch für einen Oscar nominiert.

 

Veterinär van Noppen hatte vor seinem Tod einen Untersuchungsbericht über die Zustände in Belgiens Fleischwirtschaft geschrieben: Zwei Drittel aller Rinder und 90 Prozent aller Kälber würden mit Hormonen behandelt; Schlachthöfe, die inspiziert werden sollten, bekämen vorher Tipps aus Kreisen der Kontrolleure; und vielfach sei Bestechung gang und gäbe. Auch ihm selbst sei häufig Geld angeboten worden.

 

Zunächst war er nach Mafia-Art gewarnt worden: Seine Tochter wurde mit ihrem Fahrrad auf dem Heimweg von der Schule von ei- nem fremden Auto von der Straße in einen Teich abgedrängt. Vater van Noppen hat sich dadurch und auch von Anschlägen mit Molotowcocktails von seinen Untersuchungen nicht abbringen lassen – und musste seine Hartnäckigkeit schließlich mit dem Leben bezahlen.

 

Auch andere Veterinäre wurden bedroht und misshandelt: Der Tierarzt André Ermens wurde von maskierten Männern zusammen- geschlagen, den Veterinär van de Wiele passten zwei Motorradfahrer vor seiner Wohnung ab, sprühten ihm ätzende Mittel ins Auge und schlugen ihn zusammen.

 

Van Noppens Mörder wurden 2002 in Antwerpen verurteilt. Drahtzieher waren nach den Erkenntnissen des Geschworenengerichtes die flämischen Viehhändler Germain Daenen und Alex Vercauteren. Der Mitangeklagte Albert Barrez hatte gestanden, van Noppen für 15 000 Euro erschossen zu haben. Der vierte Angeklagte, der Waffenhändler Carl de Schutter, hatte die Pistole besorgt.

 

Die Ermittlungen gegen die Hormonmafia wurden erschwert durch die besonderen Verhältnisse in Belgien. »Wenn man an die Hintermänner der Mafia gelangt, stößt man im zweiten oder dritten Familiengrad auf die Familie eines Ministers«, sagt Flor van Noppen, der Bruder des Ermordeten, der zusammen mit der Witwe eine Stiftung ins Leben gerufen hat, um den Kampf gegen die Hormonmafia fortzusetzen.

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