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Antibiotika

Antibiotika zählen zu den wichtigsten Waffen der Medizin im Kampf gegen Krankheiten. Immer häufiger aber bleiben sie wirkungslos. Das liegt zum einen am übermäßigen Einsatz der Arzneien in den Praxen und Krankenhäusern, zum anderen aber am jahrelangen Einsatz in der Landwirtschaft – auch als Masthilfsmittel. Mittlerweile ist die Verwendung für diesen Einsatzzweck illegal. Gebräuchlich sind sie allerdings immer noch, als Arzneimittel gegen die bei Massentierhaltung stets drohenden Massenerkrankungen (Faktorenkrankheiten). Immerhin: Der Verbrauch sinkt seit Jahren, jedenfalls in der Europäischen Union. Unterdessen finden auch allerdings selbst verbotene Antibiotika bei Analysen immer noch, etwa in Shrimps aus asiatischen Aquakulturen.

 

Die Antibiotika-Resistenzen haben es sogar zum Top-Thema der G7 gebracht, dem Gipfeltreffen der wichtigsten Industrienationen der Welt: die. „Das Problem ist so ernst, dass es die Fortschritte der modernen Medizin bedroht“, warnt schon die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Weltweit seien viele besonders gefährliche Fälle von Tuberkulose schon nicht mehr mit den traditionell wirksamen Medikamenten behandelbar.

 

Zwar wurden viele Antibiotika in der Landwirtschaft von der Europäischen Union verboten, darunter das sogenannte Chloramphenicol. Die Belastung wurde dadurch reduziert - aber nicht beseitigt: Denn sie wurden, wie Recherchen immer wieder ergeben, weiterhin illegal eingesetzt. Das zeigen Analysen von Meeresfrüchten etwa in chinesischen, auch taiwanesischen Shrimps-Farmen.

 

Aber auch deutsche Landwirte wollten auf das bewährte Medikament, das auch als Masthilfsmittel diente, nur ungern verzichten. Greenpeace enthüllte, dass es sogar in der Putenproduktion für die Unilever-Marke „Du darfst" zum Einsatz kam. Unilever indessen wies die Schuld von sich - und argumentierte mit offenbar unkontrollierbaren Lieferketten: "Wir haben keinen Einfluss darauf, wie unsere Zulieferer produzieren", entschuldigte sich ein Unilever-Sprecher.

 

In der globalisierten Nahrungsproduktion sind regionale Verbote nur von beschränktem Wert.

 

Direkt schädlich sind die Arzneien im Truthahnschnitzel oder Schweinesteak auch nicht – außer für manche Allergiker, bei denen nach dem Genuss von antibiotikabelastetem Fleisch schwere Allergien bis hin zu einer lebensbedrohlichen Schockreaktion (Anaphylaktischer Schock) auftreten können.

 

Aus Frankreich wurde der Fall einer 64jährigen Dame bekannt, die nach Verzehr von Hackfleisch und Schweinewürstchen mit einem allergischen Schock reagiert hatte – sie war, wie sich herausstellte, nicht auf das Fleisch allergisch, sondern auf das Antibiotikum Penicillin, das in winzigen Mengen noch enthalten war.

 

Wichtiger wohl als die unmittelbaren Folgen sind die indirekten, namentlich die zunehmenden Resistenzen.

 

Bei zahlreichen Untersuchungen zeigte sich, dass Krankheitserreger immer häufiger gegen Antibiotika resistent sind. Bei einer Untersuchung der Keime in brandenburgischen Tierbeständen zeigten sich Resistenzraten zwischen 60 Prozent bei Geflügel und 90 Prozent bei Schweinen. Die Salmonellen in den Beständen dort zeigten zum großen Teil sogar Mehrfachresistenzen, widerstanden also verschiedenen Medikamenten.

 

Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben errechnet, dass solche Antibiotikaresistenzen allein in den Vereinigten Staaten veröffentlicht jährlich mehr als 2,8 Millionen Infektionen und 35.000 Todesfälle verursachen.

 

Die von Kritikern befürchtete Ausbreitung von Resistenzen durch sogenannte Markergene bei gentechnisch veränderten Pflanzen ist nach Ansicht von Experten gering.

 

So glaubt etwa die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa, dass  "negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt" bei der Verwendung von Markergenen in gentechnisch veränderten Pflanzen "den derzeitigen Erkenntnissen zufolge unwahrscheinlich sind".

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