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Azofarbstoffe

Azofarbstoffe zählen zu den umstrittensten Nahrungszusätzen. Sie können unter anderem bei Kindern Hyperaktivität und Lernstörungen fördern (ADHS). Verbraucherverbände fordern seit langem ein Verbot der bunten Zusätze, doch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa hält trotz zahlreicher Studien die Farben für nicht giftig genug. Forscher der Universität Southampton fanden bei Kindern einen möglichen Zusammenhang zwischen Azofarben und Hyperaktivität, Aggressivität oder Konzentrationsschwierigkeiten (Southampton Six). Die Europäische Union beschloss, dass Hersteller Warnhinweise auf den Lebensmitteletiketten anbringen müssen: Der enthaltene Farbstoff  »kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinflussen«.

 

Über 2000 Azofarbstoffe gibt es, zehn sind für Nahrungsmittel zugelassen.

Allurarot AC (E129)

Amaranth (E123)

Azorubin (E122)

Braun FK (E154)

Braun HT (E155)

Brillantschwarz BN (E151)

Cochenillerot A (E124)

Gelborange-S (E110)

Litholrubin PK (E180)

Tartrazin (E102)

 

Sie sind weit verbreitet, seit der Warnpflicht allerdings nicht mehr so häufig in Bonbons und anderen Süßigkeiten für Kinder enthalten, aber immer noch in Obstkonserven, Limonaden, Pudding, Speiseeis, Likören, Margarine, Käse und Fischerzeugnissen.

 

Bei der Produktion von Azofarbstoffen wird aus Steinkohleteer, einer schwarzen, zähen Masse, zunächst Anilin gewonnen, eine übelriechende, giftige Substanz. Auf diesem Grundstoff basiert die Farbenindustrie; er steht noch heute beim Ludwigshafener Chemie-Multi BASF im Firmennamen (»Badische Anilin und Soda Fabrik«).

 

Die Entdeckung der Azofarben ist einem puren Zufall zu verdanken. Der englische Chemiker William Henry Perkin (1838–1907) unternahm 1856 Versuche mit Anilin, um ein Verfahren zur künstlichen Synthese von Chinin zu finden. Es war zur Blütezeit des Kolonialismus sehr begehrt, diente etwa dazu, die Malaria zu behandeln, die den Soldaten, Plantagenarbeitern und Militärs in den Kolonien das Leben schwer machte, und findet sich heute auch als Bitterstoff in Bitter-Lemon-Getränken wie Schweppes.

 

Der Chemiker hätte den Bitterstoff, der natürlich in der Rinde des Chinarindenbaumes vorkommt, gern chemisch nachgebildet. Doch plötzlich leuchtete es in seinen Reaktionsschalen intensiv violett: Ein Farbstoff war entstanden.

 

Perkin fand, er sehe Malvenblüten ähnlich, und taufte ihn »Mauvein«. Der Farbstoff eignete sich hervorragend zur purpurroten Färbung von Seide. Und weil die Kunstfarbe sehr beständig und lichtecht war, erfreute sich Mauvein bald großer Beliebtheit.

 

Mauvein war der erste Azofarbstoff, und viele weitere sollten noch folgen.

 

Zugelassen wurden diese Stoffe erst viel später, als sie längst in Gebrauch waren. Gesundheitsgefahren wurden erst noch viel später entdeckt, etwa bei der Farbe Buttergelb, die dann wegen möglichen Krebsrisikos verboten wurde. Azofarbstoffe lassen sich heute auch aus Erdöl oder Erdgas gewinnen.

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