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Fettarm

Fettarme Nahrung gehört zu den Hits der Supermärkte. Die Low-Fat-Bewegung (engl. für »wenig Fett«) zählt zu den einträglichsten Marketingkampagnen im Nahrungsmittelbereich – und zugleich zu den erfolglosesten. Die Fettsparwelle beruht auf einer lange vorherrschenden Lehre von Ernährungsprofessoren, der zufolge nur Fett fett mache und Fettsparen mithin der Königsweg zum Abnehmen sei. Die Lehre hat sich als Irrtum erwiesen, weil weder die Volksgesundheit befördert noch das Übergewicht wirksam bekämpft wurde. Gleichwohl kommen weiter Low-Fat-Produkte auf den Markt. Diese können nach neuen Erkenntnissen der Gesundheit eher schaden als nützen. Denn erstens fehlt es an wertvollem Fett. Und zweitens wird stattdessen häufig Zucker eingesetzt oder Chemie,  Zusatzstoffe aller Art, etwa problematische Süßstoffe. Dabei hat sich herausgestellt: Wer fetter isst, ist schlanker – und auch gesünder.

 

Dies haben mittlerweile mehrere Studien nachgewiesen. So hatte eine polnische Studie namens GEBaHealth (Girls' Eating Behavior and Health) ergeben, dass Mädchen umso schlanker waren, je mehr fette Milch und Milchprodukte sie zu sich nahmen.

 

Ähnliches haben schwedische Studien gezeigt. Und: Menschen, die mehr vollfette Milchprodukte zu sich nehmen, leiden seltener an Diabetes als die anderen, die weniger oder gar keine konsumierten. Das ergab eine Auswertung der „Malmö Diet and Cancer Cohort“ durch Ulrika Ericson von der Universität Lund.

 

Nach einer Harvard-Studie sind Frauen, die viel fettarme Milchprodukte essen, häufiger unfruchtbar (Kinderwunsch). Fettarme Ernährung kann auch auf die Stimmung schlagen: Menschen, die sehr wenig Fett essen, sind oft gereizter und auch empfindlicher; wer fettarm isst, erhöht zudem das Risiko für Depressionen, ja, es steigt sogar die Selbstmordgefahr.

 

Ein Nutzen der fettarmen Ernährung lässt sich nicht finden. »Es gibt keine einzige Untersuchung, die einen langfristigen Nutzen einer fettarmen Diät belegt«, konstatierte Professor Walter Willett, Chef der Abteilung für Ernährung an der Harvard School of Public Health in Boston.

 

Das Wissenschaftsmagazin Science griff die Erkenntnis auf. Es könnte sogar sein, dass die Empfehlungen die Leute erst recht dick gemacht haben, meinte Science-Autor Gary Taubes: »Der Grund für die sich ausbreitende Epidemie des Übergewichts könnte sein, dass die Leute weniger Fett essen und mehr Kohlenhydrate.«

 

Der Boom beim Fettarmen geht zurück auf eine gezielte Lobby-Aktion der Zuckerindustrie, die damit von den Gefahren ihrer eigenen Produkte ablenken wollte. Das hatten US-amerikanische Wissenschaftler herausgefunden (Fett).

 

Sie hatten sich durch Archive gegraben, Korrespondenz ausgewertet und ihre Ergebnisse dann veröffentlicht haben, unter anderem im Fachmagazin JAMA Internal Medicine. Titel: »Die Zuckerindustrie und die Forschung zu koronaren Herzkrankheiten: Eine historische Analyse interner Industriedokumente« (Sugar Industry and Coronary Heart Disease Research. A Historical Analysis of Internal Industry Documents).

 

Die Arbeit der JAMA-Forscher sorgte für weltweite Schlagzeilen; »Wie die Zuckerindustrie die Schuld aufs Fett schob« titelte zum Beispiel die New York Times (How the Sugar Industry Shifted Blame to Fat). »Die internen Dokumente der Zuckerindustrie«, so das Blatt, »legen nahe, dass fünf Jahrzehnte Forschung über die Rolle von Ernährung und Herzkrankheiten, darunter viele der heutigen Ernährungsempfehlungen, stark von der Zuckerindustrie geprägt worden sein könnten.«

 

Schon im Jahre 1954 hatte der Boss der Zucker-Lobby die Richtung vorgegeben: »Steigern Sie den Marktanteil von Zucker, indem Sie die Amerikaner dazu bringen, sich fettarm zu ernähren«, so fassten die JAMA-Forscher die Strategie zusammen.

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Immer mehr Fachleute in aller Welt sehen dies als wesentliches Kriterium bei der Frage nach dem gesundheitlichen Wert der Lebensmittel.

Denn es ist ein großer Unterschied, ob ein Erdbeerjoghurt selbst gemacht wird, mit frischen Früchten, oder ob er aus dem Plastikbecher kommt. Und die Tiefkühlpizza ist ein völlig anderes Nahrungsmittel als das traditionelle Vorbild. Auch bei den Vitaminen ist es wichtig, ob sie aus einem Apfel kommen, oder aus der Corn-Flakes-Packung, oder gar als Pille aus der Apotheke, dem Drogeriemarkt oder dem Internet.

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Die industrielle Nahrungsproduktion stellt eine epochale Veränderung dar, nach Ansicht mancher Experten vergleichbar mit den Umwälzungen in jener Zeit, als die Menschen sesshaft wurden.

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