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Mangelernährung

Mangelernährung war bisher ein Thema der Armutsländer in der Welt. Sie trifft jetzt allerdings auch eine wachsende Zahl von Menschen in Industrieländern, vor allem Kinder, aber auch Alte oder Menschen, denen in bestimmten Gegenden der Zugang zu frischer Nahrung fehlt (Food Deserts). Als Ursache gilt der mangelnde Nährwert der industriellen Nahrung. Ein völlig neues Phänomen ist die Mangelernährung bei gleichzeitigem Übergewicht. Die Vitaminkonzerne haben das Thema entdeckt und propagieren mit Hilfe der ihnen nahestehende Professoren den Ausgleich des Mangels mit ihren Produkten unter dem Schlagwort „Versteckter Hunger“ („Hidden Hunger“). Angesichts der Fülle benötigter Nährstoffe liefern solche punktuellen Notmaßnahmen allerdings nur einen unzureichenden Ersatz für echtes Essen. Auch in der Corona-Krise spielte die Mangelernährung eine weithin übersehene Rolle: Sie erhöhte offenbar die Anfälligkeit für die Covid-Krankheit und das Risiko für schwere Verläufe.

 

So hatten französische Mediziner 42,1 Prozent der auf einer Normalstation aufgenommenen COVID-19-Patienten als mangelernährt eingestuft – 18,4 Prozent sogar als gravierend. Von den Patienten, die zuvor auf der Intensivstation gepflegt worden waren, waren sogar zwei Drittel mangelernährt.

 

Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) kommentierten die Untersuchung und meinten, es sei ungewiss, ob die Mangelerscheinungen durch die Krankheit hervorgerufen worden seien oder schon zuvor bestanden hätten. Es sei aber aus zahlreichen anderen Untersuchungen bekannt, dass der Ernährungszustand entscheidenden Einfluss auf Krankheitsanfälligkeit und Gesundungsprozess habe.

 

Mangelernährung tritt keineswegs nur bei älteren und kranken Menschen auf, sondern sogar schon im Kindesalter.

 

Vor allem bei Kleinkindern droht Mangelernährung, wenn sie vorwiegend oder ausschließlich mit der Nahrung aus Babygläschen gefüttert werden. Wer häufiger auf solche Glasmenüs zurückgreifen wolle, müsse Gesundes noch dazuservieren, damit der Nachwuchs keinen Mangel leide: »Würde ein Kleinkind seine warme Mahlzeit überwiegend in Form der angebotenen Kleinkindermenüs erhalten, müsste die Lebensmittelauswahl der anderen Mahlzeiten gut geplant werden, um eine empfehlungsgerechte Tageszufuhr von Energie und Nährstoffen zu gewährleisten«, meinte das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund nach einer Überprüfung von 37 Kindermenüs.

 

Auch Softdrinks können überraschenderweise zu Nährstoffmangel führen. Etwa beim Knochenbaustein Kalzium. So breitet sich Knochenschwäche durch Kalziummangel schon unter Kindern und Jugendlichen aus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO) zählt Kalziumdefizite zu den Mangelernährungserscheinungen von wachsender globaler Bedeutung. Eine der Ursachen ist der hohe Konsum von Cola: Der Softdrink gilt als »Kalziumräuber«.

 

Überraschenderweise können sogar Fruchtsäfte zu Mangelernährung führen, wie eine Untersuchung unter zwei- bis fünfjährigen Kindern ergab, die in der Pediatrics veröffentlicht wurde. Denn diese Fruchtsäfte enthalten zu viel Zucker, sättigen die Kinder so sehr, dass sie keinen Appetit mehr auf das fürs Wachstum Nötige haben. Die Zweijährigen, die viel von diesen Fruchtsäften tranken, waren infolgedessen um 2,8 Zentimeter kleiner als die anderen, die Fünfjährigen um 4,6 Zentimeter.

 

Auch alte Menschen leiden häufig unter Mangelernährung, vor allem mit zunehmendem Alter und wenn sie im Heim leben. Offenbar liefert die dort angebotene Kost, häufig von Konzernen, die das Catering übernommen haben, nicht die nötigen Nährstoffe – oder nicht die erforderlichen Genussanreize.

 

Eine Studie am Klinikum Starnberg ergab, dass die alten Leute durchschnittlich nur 49,53 Prozent der angebotenen Nahrung auch wirklich gegessen hatten.

 

Auch die sogenannten Omega-3-Fette sind bei vielen Menschen nicht in ausreichendem Maße vorhanden.  Sie sind fürs Herz wichtig, für die Sehkraft, fürs Gehirn. Die meisten Menschen essen davon offenbar zu wenig, in den USA sollen schon 80 Prozent der Menschen einen Omega-3-Mangel haben.

 

Die Omega-3-Fette fehlen in der Industrienahrung oft, weil sie bei den Food-Fabriken unbeliebt sind: Sie sind zu empfindlich und verkürzen die Haltbarkeit der Waren. Auch bei der Multiplen Sklerose scheint dieses Fett eine tragende Rolle zu spielen, ebenso haben Patienten mit Alzheimer oft ein Defizit an diesen guten Fetten. 

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Das ist das neue Paradigma bei der Bewertung: Der Grad der Entfernung von der Natur.

Immer mehr Fachleute in aller Welt sehen dies als wesentliches Kriterium bei der Frage nach dem gesundheitlichen Wert der Lebensmittel.

Denn es ist ein großer Unterschied, ob ein Erdbeerjoghurt selbst gemacht wird, mit frischen Früchten, oder ob er aus dem Plastikbecher kommt. Und die Tiefkühlpizza ist ein völlig anderes Nahrungsmittel als das traditionelle Vorbild. Auch bei den Vitaminen ist es wichtig, ob sie aus einem Apfel kommen, oder aus der Corn-Flakes-Packung, oder gar als Pille aus der Apotheke, dem Drogeriemarkt oder dem Internet.

Es geht im 21. Jahrhundert nicht mehr bloß um Kalorien, um Nährstoffe und Schadstoffe, Viren und Bakterien, um Zucker, Fett, Vitamine.

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Das DR. WATSON Lexikon zeigt die Folgen der industriellen Herstellung von Nahrung –auch für die Gesellschaft, die einen immer größeren Aufwand treiben muss, um die zunehmende Krankheitslast zu bewältigen.

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