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Phenylalanin

Für die meisten Menschen ist es eine unverständliche Warnung, etwa auf Cola Light: »Enthält eine Phenylanalinquelle«. Sie ist auf Waren angebracht, die den umstrittenen Süßstoff Aspartam enthalten: wie etwa kalorienreduzierte Softdrinks, zuckerfreie Kaugummis, Diätprodukte. Diese Produkte können für Menschen mit einer sogenannten Phenylketonurie (PKU) gefährlich werden. Bei diesen Patienten kann das in Aspartam enthaltene Phenylalanin nicht abgebaut werden und in der Folge unter anderem schwere Hirn- und Nervenschäden verursachen. Gefährdet sind, so warnen Mediziner, auch Schwangere und ihre Kinder. Überraschenderweise ist der Stoff auch als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich, auch in Kombinationsprodukten für Selbstoptimierer. Es soll die Laune verbessern, das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit stärken sowie gegen Schmerzen helfen. Die wissenschaftlichen Beweise dafür überzeugten die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa nicht. Ein Antrag für einen sogenannten Health Claim, die amtliche Erlaubnis zur gesundheitsbezogenen Werbung für Phenylalanin wurde abgelehnt.

 

Phenylalanin ist eine Aminosäure, die der Mensch benötigt als Baustein für Körpereiweiß. Er kann sie nicht selber herstellen und ist auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Diese Aminosäure hilft bei der Bildung bestimmter Botenstoffe, der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin, des Glückshormons Dopamin, des Pigments Melanin. Aus Phenylalanin kann in der Leber ein weiterer Eiweißbaustein aufgebaut werden, das Tyrosin. Wer wenig Tyrosin über das Essen aufnimmt, braucht mehr Phenylalanin und umgekehrt.



 

Die Substanz ist ein üblicher Bestandteil des Gehirns, sie ist notwendig, im Übermaß aber äußerst schädlich. Bei Menschen mit PKU können zu hohe Konzentrationen im Gehirn entstehen. Das kann schwere körperliche und geistige Entwicklungsverzögerungen zur Folge haben, sogenannten »Phenylbrenztraubensäureschwachsinn«, bei dem es zu vermehrter Bildung von sogenannter Phenylbrenztraubensäure kommt, erkennbar am mäuseartigen

Geruch des Urins der Betroffenen.

 

 

Die Phenylketonurie zählt zu den häufigsten angeborenen Stoffwechselstörungen, betroffen ist eines von 10.000 Kindern, bei genetisch belasteten Eltern liegt das Risiko einer Erkrankung des Kindes pro Schwangerschaft bei 25 Prozent. Die Betroffenen müssen lebenslang Diät halten.

 

Phenylalanin ist in vielen natürlichen Lebensmitteln enthalten, wie etwa, Fleisch, Wurst, Fisch, Käse, Eier, auch milchhaltigen Süßigkeiten.

 

Eine steigende Zahl von Menschen mit PKU zeigt allerdings auch gar keine neurologischen Symptome. Viele leben ein normales Leben, 15 Prozent absolvierten höhere Schulen oder studierten, so eine Schweizer Untersuchung. Zwei Prozent der Bevölkerung sollen ein PKU-Gen besitzen, ohne es zu wissen. Vor allem für die Frauen unter ihnen könnte das zum Problem werden in einer Schwangerschaft.

 

„Erhöhte mütterliche Phenylalaninkonzentrationen während der Schwangerschaft“, so die American Academy of Pediatrics, seien „teratogen“, könnten also zu Missbildungen beim Kind führen, zu Wachstumsstörungen, zu „Mikrozephalie“, einer Fehlentwicklung, bei der das Hirn zu klein bleibt, die Kinder könnten zeitlebens geistig zurückbleiben oder an anderen Geburtsdefekten leiden.

 

Die amerikanische Kinderärzte-Organisation rät deshalb, dass

„Frauen im gebärfähigen Alter mit allen Formen der Phenylketonurie, einschließlich der milden Varianten, wie der milden Hyperphenylalaninämie“, über diese Risiken aufgeklärt werden sollten, am besten vor der Empfängnis. Wichtig sei auch „eine strenge Kontrolle der mütterlichen Phenylalaninkonzentration“ auch über die gesamte Schwangerschaft hinweg.

 

Obwohl mehrere Studien keine erhöhten Risiken durch Aspartam auch in der Schwangerschaft gezeigt hatten, raten Mediziner bei Frauen mit PKU zur Vorsicht.

 

Denn Phenylalanin reichert sich in der Plazenta und im Gehirn des Ungeborenen um ein Vielfaches an – und könnte daher das Risiko für geistige Störungen beim Kind erhöhen, meinte Louis J. Elsas, mittlerweile emeritierter Professor für Kinderheilkunde in Atlanta, bei einer Anhörung des US-Senats.

 

Nach seinen Berechnungen kann eine Frau, die regelmäßig Light-Getränke oder Süßstoffe zu sich nimmt, ihre Phenylalaninkonzentration im Blut von normalerweise 50 auf 150 Mikromol erhöhen. In der Plazenta verdoppelt sich die Konzentration noch einmal, auf 300 Millimol. Das Gehirn des Fötus wird es wiederum um das Doppelte bis Vierfache anreichern. »Diese Konzentration tötet Nervenzellen«, sagt Elsas, jedenfalls bei Laborversuchen. Selbst bei Erwachsenen hatte sich bei solchen Konzentrationen eine verlangsamte Hirntätigkeit gezeigt, ablesbar an den Gehirnströmen auf dem Elektroenzephalogramm (EEG); außerdem hatten die Versuchspersonen länger für kognitive Tests gebraucht.

 

Auf solche »potenziell nachteiligen Effekte für die Gehirnfunktion der Erwachsenen« durch Phenylalanin hatte selbst der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der Europäischen Union hingewiesen – der Zulassung von Aspartam aber dennoch zugestimmt, weil bei normaler Aufnahme »kein signifikantes Risiko« eines neurotoxischen Effektes bestehe.

 

Dabei kann selbst einmaliger Süßstoffgenuss die Phenylalaninkonzentration im Körper erhöhen, exzessiver Konsum kann die Konzentration auf gefährlich hohe Werte ansteigen lassen. Der amerikanische Aspartam-Kritiker und Professor Russell L. Blaylock meint, dass sehr hohe Werte dieses Aspartam-Bestandteils sogar epileptische Anfälle auslösen und zu Schizophrenie führen könnten. Tatsächlich haben Studien ergeben, dass Schizophreniepatienten erhöhte Phenylalaninlevel im Blut haben.

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