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Fertignahrung

Fertignahrung (»Convenience-Kost«) erfreut sich großer Beliebtheit, weil sie einfach und bequem zuzubereiten ist. Bei Medizinern wird sie indessen kritisch gesehen, weil ihr häufig Nährstoffe fehlen und sie zudem durch viele chemische Zusatzstoffe belastet ist. Der zunehmende Verzehr solcher Fertigprodukte geht einher mit der Ausbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit, einem erhöhten Risiko für die Zuckerkrankheit Diabetes sowie Herzleiden und Krebs.

 

Basis des Erfolges ist die allgegenwärtige Werbung dafür. Legendär war schon die Reklamekunst des Fertignahrungs-Pioniers Julius Maggi: Seit 1882 experimentierte er mit Trockensuppe, 1886 erfand er seine erste Fertigsuppe. Berühmt wurde seine Maggi-Würze, dessen Fläschchen er eigenhändig entwarf.

 

Berühmtester Werbetexter der Firma war der Dichter Frank Wedekind. Sein bekanntestes Maggi-Gedicht:

 

Was dem Einen fehlt,

das findet In dem Andern sich bereit;

Wo sich Mann und Weib verbindet,

Keimen Glück und Seligkeit.

Alles Wohl beruht auf Paarung;

Wo dem Leben Poesie

Fehle Maggi’s Suppen-Nahrung

Maggi’s Speise-Würze nie!

 

In jener Frühzeit der Fertignahrung waren die schnell zuzubereitenden Gerichte ein Segen für die arbeitenden Massen. Mit wachsendem Anteil am Gesamtverzehr steigt allerdings das Risiko für die Gesundheit der Weltbevölkerung.

 

Vor allem in den Entwicklungsländern wird der Trend von den Gesundheitsexperten kritisch verfolgt, weil der durch die Ausbreitung der Supermärkte geförderte Übergang von der natürlichen zu der fabrikmäßig erzeugten Nahrung (Nutrition Transition) schwerwiegende gesundheitliche Folgen hat.

 

Fertignahrung unterscheidet sich fundamental von echtem Essen und hat auch völlig andere Auswirkungen auf den Organismus. Zumeist handelt es sich um sogenannte ultra-verarbeitete Nahrung nach der NOVA-Klassifikation für Lebensmittel, die in der Wissenschaft weltweit wachsende Beachtung findet, als innovatives Bewertungsmodell, das als Maß für die Risiken durch Nahrung die Entfernung von der Natur und traditionellen Methoden der Zubereitung definiert.

 

Und bei Fertignahrung ist die Entfernung von der Natur erheblich. Sie muss in den Regalen der Supermärkte widernatürlich lange halten (Shelf Life), was den Einsatz von gesundheitlich problematischen Zutaten zur Folge hat:Aroma, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Emulgatoren.

 

Viele davon sind Designerstoffe, die es in der wirklichen Natur gar nicht gibt. Sie wurden speziell für die Bedürfnisse der Nahrungsindustrie »maßgeschneidert«, wie es im Fachjargon heißt.

 

Hinzu kommt die zur Verlängerung der Haltbarkeit nötige Erhitzung, die zur Bildung von speziellen Problemstoffen beiträgt, den sogenannten Advanced Glycation End Products (AGEs). Sie können Alterungsprozesse beschleunigen und die Entstehung von Krankheiten fördern.

 

Die Vielzahl der zusätzlichen Inhaltsstoffe und die komplexen Wege ihrer Herstellung stellen für den menschlichen Körper häufig eine Überforderung dar. Eine wachsende Zahl von Menschen zeigt Allergien und Unverträglichkeitsreaktionen. Das Bundesgesundheitsblatt warnte daher schon vor Fertiggerichten: »Der Genuss von Lebensmitteln, die nicht selbst zubereitet werden, stellt für Allergiker ein nicht kalkulierbares Risiko dar.«

 

Auch das Nahrungsverarbeitungshormon Insulin wird durch den häufig zugesetzten Zucker, aber auch Inhaltsstoffe wie modifizierte Stärke und Maltodextrin regelmäßig in die Höhe getrieben, was zu Übergewicht führen, ein metabolisches Syndrom auslösen und die Entwicklung der Zuckerkrankheit Diabetes beschleunigen kann.

 

Geschmacksverstärker wie etwa Glutamat stehen in Verdacht, zu neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson beizutragen. Farbstoffe können zu Hyperaktivität und Lernstörungen führen (ADHS). Auch Migräne kann von Lebensmittelzusätzen ausgelöst werden. Süßstoffe stehen sogar unter Krebsverdacht. Emulgatoren und Konservierungsstoffe können den Darm schädigen und das Immunsystem stören.

 

Fertignahrung aus dem Öko-Laden (Bio) ist in der Regel geschmacklich und ästhetisch unbefriedigend, weil ihren Herstellern das chemische Arsenal der Kunstküche nur eingeschränkt zur Verfügung steht und viele Chemikalien in diesem Sektor verboten sind.

 

Auch schrumpft der qualitative Vorsprung gegenüber dem konventionellen Angebot: Bei einem Fertig-Kartoffelpüree ist der Vitamingehalt beispielsweise in der Öko-Variante genauso vermindert wie bei einem konventionellen etwa von Pfanni.

 

Vor allem für Kinder sind die Fertignahrungsmittel verhängnisvoll, weil sie in der Regel von minderem Nährwert sind und eine Prägung für das restliche Leben droht.

 

Im Alter von sechs Monaten bekommen drei Viertel aller Kids Fertigkost aus industriell hergestellten Babygläschen. Sie enthalten nach unabhängigen Untersuchungen zu wenig Nährstoffe, als dass ein Kind damit auf Dauer ausreichend versorgt werden könnte. Als wichtiges Manko gilt unter anderem der Mangel an Mikroben infolge Erhitzung, der dem Immunsystem des Kindes schaden kann.

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Das DR. WATSON Lexikon gibt keine medizinischen Ratschläge oder Empfehlungen. Das DR. WATSON Lexikon informiert über Nahrungsmittel – unabhängig, wissenschaftlich fundiert, verständlich. Und immer mit einer klaren Perspektive: Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Konsumenten.

Das DR. WATSON Lexikon betrachtet auch die Rolle der Ernährungssysteme, auf der einen Seite die großen Konzerne mit der globalen industriellen Einheitskost, auf der anderen Seite die kleinen Bauern, Gärtner, Köche, die traditionelle Ernährung, etwa die mediterrane Kost, die als Königsweg gilt zu einem gesunden und langen Leben.

Es informiert über die Auswirkungen der Nahrungsmittel auf den menschlichen Organismus, insbesondere über die Folgen deren industrielle Produktion, auch auf, die Umwelt, den Planeten.

Das ist das neue Paradigma bei der Bewertung: Der Grad der Entfernung von der Natur.

Immer mehr Fachleute in aller Welt sehen dies als wesentliches Kriterium bei der Frage nach dem gesundheitlichen Wert der Lebensmittel.

Denn es ist ein großer Unterschied, ob ein Erdbeerjoghurt selbst gemacht wird, mit frischen Früchten, oder ob er aus dem Plastikbecher kommt. Und die Tiefkühlpizza ist ein völlig anderes Nahrungsmittel als das traditionelle Vorbild. Auch bei den Vitaminen ist es wichtig, ob sie aus einem Apfel kommen, oder aus der Corn-Flakes-Packung, oder gar als Pille aus der Apotheke, dem Drogeriemarkt oder dem Internet.

Es geht im 21. Jahrhundert nicht mehr bloß um Kalorien, um Nährstoffe und Schadstoffe, Viren und Bakterien, um Zucker, Fett, Vitamine.

Es geht auch um die Chemie im Essen, um Kollateralschäden der industriellen Produktion, sogar um die Verbindungen von Medien und einflussreichen Fachleuten zu Industriekonzernen – und um allfällige Schieflagen im Expertenurteil, die bei Konsumenten zu Fehlentscheidungen bei der Nahrungsauswahl und damit zu Gesundheitsproblemen führen können.

Das DR. WATSON Lexikon zeigt die Folgen der industriellen Herstellung von Nahrung –auch für die Gesellschaft, die einen immer größeren Aufwand treiben muss, um die zunehmende Krankheitslast zu bewältigen.

Die Industrialisierung der Nahrung hat auch Auswirkungen auf die Psyche, das Wohlbefinden, die individuelle Leistungsfähigkeit und das Verhalten.

Die industrielle Nahrungsproduktion stellt eine epochale Veränderung dar, nach Ansicht mancher Experten vergleichbar mit den Umwälzungen in jener Zeit, als die Menschen sesshaft wurden.

Es geht um uns alle, ganz persönlich, auch um unsere Kinder, deren Zukunft, die ganze Gesellschaft, sogar um die Tiere, die unter der Entfremdung von den natürlichen Grundlagen ebenfalls leiden.

Mehr Wissen über diese Veränderungen – und was sie für mich bedeuten: Das DR. WATSON Lexikon liefert die nötigen Informationen – und damit wertvolle Anregungen für den Weg aus der industriellen Ernährungsfalle.