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Emulgatoren

Sie gelten, wie alle Zusatzstoffe, offiziell als unbedenklich.  Einige Emulgatoren können auch als Auslöser von Allergien wirken. Kritiker befürchten bei häufigem Verzehr mancher Zusätze Schäden vor allem im Darm, eine erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten, sogar ein steigendes Krebsrisiko, auch psychische Folgen bis hin zu Depressionen, Ängsten und Verhaltensstörungen. Manche Emulgatoren sind natürlichen Ursprungs, andere sind reine Designerstoffe, die es in der Natur nicht gibt. Es sind Lebensmittelzusätze, die die industrielle Produktion etwa von Schokolade, Eiscreme oder Fertigdesserts erleichtern und verbilligen. Auch bei Backwaren kommen sie zum Einsatz, in den Hamburgerbrötchen von McDonald’s, aber auch in den Backmitteln für die Bäckerei und den Backshop, selbst bei Öko-Bäckern. 

 

Weltweite Aufmerksamkeit fanden Erkenntnisse über zwei Emulgatoren mit dem Zusatzstoff-Kürzel E466 (Carboxylmethylcellulose oder Natrium-Carboxymethyl-Cellulose), der aus Holz gewonnen wird, und E433 (Polysorbat 80 oder Polyoxyethylen(20)-Sorbitan-Monooleat), ein vollkommen künstlicher Designerstoff.

 

Diese Stoffe stecken in Fastfood, aber auch im Mittagessen in der Kita, wenn es von einem Cateringkonzern wie Apetito kommt, sowie in veganen Produkten wie etwa fleischfreien Grillwürstchen.

 

Emilie Viennois und Benoit Chassaing, zwei Forscher von der Georgia State University in Atlanta, haben sich ausgiebig mit den Stoffen beschäftigt – und in der weltweit wichtigsten Wissenschaftszeitschrift Nature einen Artikel veröffentlicht, in dem sie auf die Folgen dieser Nahrungselemente auf den Darm hingewiesen haben, mögliche Krebsrisiken etwa.

 

In einer weiteren Studie ging es sogar um psychische Veränderungen. Denn Emulgatoren verändern die Bakteriengemeinschaft im Darm, dadurch auch den Ausstoß an körpereigenen Drogen, sogenannten Neuropeptiden, und könnten über diesen Umweg auch das Gehirn treffen, die Psyche „negativ beeinflussen“, wie die Wissenschaftler schrieben, etwa Ängstlichkeit fördern und das soziale Verhalten stören.

 

Die Entdeckung könnte somit eine Erklärung sein für das „erhöhte Auftreten von Störungen im Zusammenhang mit Angst und antisozialem Verhalten“, meinen die Wissenschaftler: Solche „Substanzen, denen Menschen im Zuge der Industrialisierung ausgesetzt“ sind, könnten „die Gehirnfunktion beeinflussen“.

 

Denn der Darm, wo diese Emulgatoren anlanden, fungiert bekanntlich als „Zweites Gehirn“ (Darmhirn), beeinflusst das geistige Leistungsvermögen, die Emotionen, das Verhalten, aber auch die Kapazitäten der Körperabwehr (Immunsystem).

 

Und wenn die Emulgatoren die Verhältnisse im Verdauungstrakt verändern, können sie die Intelligenz und Psyche beeinträchtigen, auch das Sozialverhalten, und die Anfälligkeit für Krankheiten erhöhen.

 

Sie kommen in unglaublich vielen industriellen Produkten zum Einsatz, in Pudding, Margarine, in Backmischungen und Gebackenem. Außerdem in Marmelade, Eiscreme, Milchgetränken und Desserts, in Trockenmilch und süßer Sahne, Säuglingsnahrung und Salatsoßen, Suppen, in Pudding und Gelee sowie Kakao. Sogenannte Feinkostsalate und Fertignahrung aller Art bleiben dank Emulgatoren stabil – sie würden sonst in ihre Bestandteile zerfallen.

 

Auch Kaugummi, Knabbererzeugnisse, wie Kartoffelchips, Kuchen und Kekse – alles wird von Emulgatoren zusammengehalten. Sie dienen als Trennmittel für getrocknete Früchte oder Nüsse, halten Formfleisch, gepressten Fisch und Gemüsestäbchen in Form, werden in Kaffeeweißer, in Getränkepulver und Diätprodukten sowie in Schnellkochreis und Fleischkonserven eingesetzt.

 

Der Emulgator Lecithin (E322), ist ein Stoff, der sowohl wasser- als auch fettlöslich ist und dadurch Wasser und Öl in Lebensmitteln gut zu einer stabilen Mischung verbinden kann, daher ist er ein häufiger Zusatzstoff in fettreichen Produkten, wie etwa Margarine, Salatdressings, Mayonnaise, Kakao, Eiscreme und Desserts. In Instantsoßen und -suppen sorgt er für eine bessere Löslichkeit beim Anrühren mit Wasser. 

 

Die Emulgatoren sind so etwas wie die Vielzweckwaffe der Ingenieure in den Nahrungsfabriken, und erfüllen eine Vielzahl von Funktionen. Viele sind speziell für diese Einsatzzwecke konstruiert, reine Designerstoffe, die es in der Natur nicht gibt, und für die der Körper und insbesondere der Darm kein evolutionär entwickeltes Verarbeitungsverfahren besitzt.

 

Bei der Schokoladenherstellung kann durch das Verflüssigen der Schokolade mittels Zugabe von Lecithin (E322) der zeitaufwendige Conchierprozess erheblich verkürzt werden. Zudem wirkt der Stoff leicht antioxidativ (Antioxidantien) sowie stabilisierend und verhindert so vorzeitiges Ranzigwerden. Bäcker verwenden Lecithin (E322), um den Teig elastischer und lockerer sowie die Porung feiner zu machen. Das Gebäck bleibt außerdem länger saftig frisch.

 

Lecithin kommt in allen Tier- und Pflanzenzellen vor, industriell gewonnen wird es aber zum größten Teil aus Soja. Dieser »natürliche Emulgator Soja-Lecithin« ist einer der am weitesten verbreiteten Emulgatoren, auch in sogenannter Naturkost (Bio). Es stammt überwiegend aus gentechnisch veränderten Sojabohnen – was bei Bio-Puristen die Furcht wachsen lässt, dass damit auch Gentechnik ins Frühstücksbrötchen gelangt.

 

Lecithin wird auch als Hirn-Booster angepriesen – wobei Kritiker warnen, dass es angesichts eines Überangebots an Eiweiß das Gleichgewicht im Gehirn eher stören und die Stimmung trüben könne.

 

Zu den umstrittensten Emulgatoren zählt Carrageen (E407). Es steht nach Ansicht einiger Wissenschaftler in Verdacht, die Ausbreitung von Geschwüren im Darm und sogar Brustkrebs zu fördern. Andere Forscher sehen das Risiko eher als gering an. Weit verbreitet ist auch Guarkernmehl (E412). Es quillt im Darm stark auf und kann in größeren Mengen zu Bauchkrämpfen und Blähungen führen.

 

Weitere Emulgatoren:

Gummi Arabicum (E414)

Karayagummi (E416)

Polyoxyethylen(20)-Sorbitan-Monolaurat (E432)

Polyoxyethylen(20)-Sorbitan-Monooleat (E433)

Polyoxyethylen(20)-Sorbitan-Monopal itat (E434)

Polyoxyethylen(20)-Sorbitan-Monostearat (E435)

Polyoxyethylen(20)-Sorbitan-Tristearat (E436)

Ammoniumphosphat (E442)

Natrium-, Kalium- oder Calciumsalze der Speisefettsäuren (E470a)

Magnesiumsalze von Speisefettsäuren (E470b)

Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren (E471)

Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, verestert mit Essigsäure (E472a)

Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, verestert mit Milchsäure (E472b)

Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, verestert mit Zitronensäure (E472c)

Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, verestert mit Weinsäure (E472d)

Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, verestert mit Mono- und Diacetylweinsäuren (Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren E472e)

Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, verestert mit Essig- und Weinsäure (E472f)

Saccharoseester von Speisefettsäuren (E473)

Saccharoseglyceride (E474)

Polyglycerinester von Speisefettsäuren (E475)

Polyglycerin-Polyricinoleat (E476)

Propylen-Glycol-Ester von Speisefettsäuren (E477)

Thermooxidiertes Sojaöl mit Mono- und Diglyceriden (E479b)

Natriumstearoyl-2-Lactylat (E481)

Calciumstearoyl-2-Lactylat (E482)

Stearyltartrat (E483)

Sorbitanmonostearat (E491)

Sorbitantristearat (E492)

Sorbitanmonolaurat  (E493)

Sorbitanmonooleat (E494)

Sorbitanmonopalmitat (E495)

 

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Das DR. WATSON Lexikon betrachtet auch die Rolle der Ernährungssysteme, auf der einen Seite die großen Konzerne mit der globalen industriellen Einheitskost, auf der anderen Seite die kleinen Bauern, Gärtner, Köche, die traditionelle Ernährung, etwa die mediterrane Kost, die als Königsweg gilt zu einem gesunden und langen Leben.

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Immer mehr Fachleute in aller Welt sehen dies als wesentliches Kriterium bei der Frage nach dem gesundheitlichen Wert der Lebensmittel.

Denn es ist ein großer Unterschied, ob ein Erdbeerjoghurt selbst gemacht wird, mit frischen Früchten, oder ob er aus dem Plastikbecher kommt. Und die Tiefkühlpizza ist ein völlig anderes Nahrungsmittel als das traditionelle Vorbild. Auch bei den Vitaminen ist es wichtig, ob sie aus einem Apfel kommen, oder aus der Corn-Flakes-Packung, oder gar als Pille aus der Apotheke, dem Drogeriemarkt oder dem Internet.

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