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Cholesterin

Cholesterin ist ein Fett, das im Körper und vor allem im Gehirn wichtige Funktionen übernimmt. Über seine Rolle bei der Entstehung von Krankheiten streiten sich die Experten. Während die einen zur Vorbeugung von Herzleiden die Cholesterinsenkung für unabdingbar halten, sehen andere das kritisch, vor allem wegen geringer Effekte bei einschneidenden Nebenwirkungen. Für die Pharmafirmen ist es auf jeden Fall ein Milliardengeschäft. Begründet wurde es durch die Veröffentlichungen des einstigen US-Forscherstars Ancel Keys, dessen Werk allerdings mittlerweile als groß angelegter Wissenschaftsbetrug entlarvt wurde.

 

Es ist ein hart umkämpftes Feld, vielleicht das umstrittenste bei Thema Ernährung und Gesundheit.  Die Senkung der Cholesterinwerte gilt unter Kardiologen, also den Herzspezialisten, nach wie vor als Königsweg im Kampf gegen den Infarkt. So sehen das die zuständigen Fachgesellschaften in den USA wie in Europa. Je niedriger die Cholesterinwerte, umso besser, verkünden sie bei ihren Konferenzen und Kongressen (»The lower the better«).

 

Auf der anderen Seite wächst die Kritik, nicht erst seit dem Skandal um Cholesterinsenker um die Jahrtausendwende, als zahlreiche Tote zu beklagen waren und der deutsche Pharmakonzern Bayer sein Medikament Lipobay vom Markt nehmen musste.

 

Im Hintergrund steht die Frage nach der Rolle von Fett bei Herzkrankheiten. Umstritten sind mittlerweile die über ein halbes Jahrhundert lang maßgeblichen Behauptungen über die herzschädlichen Effekte, die auf die Arbeiten des US-Wissenschaftlers Ancel Keys zurückgehen. Manche Wissenschaftler halten seine Theorie vom schädlichen Fett für den größten Wissenschaftsbetrug der jüngeren Geschichte.

 

Die Befürworter der Cholesterinsenkung hingegen verweisen gern auf die Ergebnisse von Untersuchungen, nach denen die Reduzierung des Cholesterinwertes das Risiko für einen Herzinfarkt oder ein ähnliches »Ereignis« um 50 Prozent senken könne. Die Medien verbreiten gern solche Erfolgsmeldungen.

 

Nur: Die allermeisten Konsumenten haben keinerlei Vorteile, eher im Gegenteil. Sie profitieren nicht von der Cholesterinsenkung, erhöhen aber ihr Risiko für teilweise erhebliche Nebenwirkungen.

 

Die Senkung des Cholesterins nutzt nur einer verschwindend kleinen Minderheit. Als Faustregel nach vielen Studien zur Cholesterinsenkung zum vorbeugenden Herzschutz gilt: Bei 99 Prozent der Versuchsteilnehmer spielt es überhaupt keine Rolle, ob sie ihr Cholesterin senken oder nicht. Bei denen, die ihr Cholesterin gesenkt haben, hatten 0,5 Prozent einen Herzinfarkt oder Ähnliches, bei den anderen 1 Prozent.

 

Das ist dann die Basis für die Jubelmeldungen der Medien: "Cholesterinsenkung verringert Herzinfarktrisiko um 50 Prozent". Schließlich sind 0,5 Prozent die Hälfte von 1 Prozent.

 

Noch weniger  profitierten bei der klassischen „Jupiter“-Studie aus dem Jahr 2008 mit 17 802 gesunden Menschen.

 

Bei jenen, die ihr Cholesterin gesenkt hatten, bekamen 0,35 Prozent einen Herzinfarkt. Bei den anderen, die keine Cholesterinsenker nahmen, waren es 0,76 Prozent. Die allermeisten Menschen aber, genau 99,24 Prozent der Versuchspersonen, hatten ohnehin keinen Infarkt, auch wenn sie gar nichts taten. Für sie ist es also völlig egal, ob sie ihr Cholesterin senken oder nicht. Jedenfalls, wenn es ums Herz geht.

 

Aber: Ihnen drohen durch die Cholesterinsenkung schwere Nebenwirkungen – und sogar ein früher Tod.

 

Denn unter jenen, die ein cholesterinsenkendes Mittel bekamen, waren sogar mehr Menschen gestorben als in der anderen Gruppe: Insgesamt elf Todesfälle waren bei ihnen zu beklagen, aber nur sechs in der Kontrollgruppe, die kein solches Medikament bekamen.

 

Zu den Nebenwirkungen gehören, was auch die Befürworter der Cholesterinsenkung nicht bestreiten, neben leichteren Begleiterscheinungen wie Magen-Darm-Beschwerden, einem trockenem Mund, Kopfweh, Jucken, auch schwere chronische Erkrankungen wie etwa die gefürchtete Zuckerkrankheit Diabetes – und damit die Gefahr weiterer Erkrankungen von Alzheimer bis Krebs.

 

Auch die Muskeln werden angegriffen, wie etwa bei den Opfern des Lipobay-Skandals. Die Muskeln mancher Patienten hatten sich unter der Lipobay-Behandlung einfach aufgelöst (Fachbegriff: Rhabdomyolyse).

 

Das ist bei allen Cholesterinsenkern, den sogenannten Statinen, offenbar ganz ähnlich: »Die muskelzersetzende Wirkung«, sagte der Mediziner und Epidemiologe Professor Dieter Borgers von der Universität Düsseldorf, sei eine »in geringem Grad gar nicht seltene Nebenwirkung aller Statine«.

 

Zahlreiche Studien geben in der Tat Anlass zu Zweifeln. Ein Beispiel das erhöhte Sterblichkeitsrisiko durch die Cholesterinsenker. Je mehr die Versuchspersonen ihr Cholesterin gesenkt hatten, desto höher war ihr Risiko, an Krebs oder aus anderen Gründen zu sterben – und sogar an Herzkrankheiten und Schlaganfall,  Das hatte eine japanische Gruppe von Forschern um Harumi Okuyama von der Nagoya City University herausgefunden und darüber im Jahre 2018 im Fachblatt Pharmacology berichtet.

 

Manche Studien zeigten sogar, dass selbst ein hoher Cholesterinspiegel nicht in jedem Fall schlecht sein müsse. Es gebe, so formulierten die Japaner im Medizinerjargon, »eine umgekehrte Assoziation der Mortalität«. Im Klartext: Je höher das Cholesterin, desto länger lebten die Menschen.

 

Besonders riskant scheint auch der Versuch, die Cholesterinwerte mit speziellen Nahrungsprodukten zu senken, etwa der vermeintlichen Herzschutzmargarine Becel pro.activ.

 

Solche cholesterinsenkenden Nahrungsmittel sind ein globales Boom-Geschäft. Die Herstellerfirma hatte von der Europäischen Union sogar einen sogenannten Health Claim bekommen und darf mit Gesundheitsbehauptungen werben.

 

Allerdings gibt es auch hier schwere Nebenwirkungen: So können sich ausgerechnet die Wirkstoffe dieser Produkte, die sogenannten Pflanzensterine („Phytosterine“) in den Blutbahnen ablagern – und damit das Herz erst recht gefährden.

 

Das ist auch den Behörden bekannt. Daher warnt etwa das zuständige deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ausdrücklich vor solchen Produkten: »Menschen mit normalen Cholesterinwerten sollten auf den Verzehr von Lebensmitteln mit zugesetzten Pflanzensterinen verzichten.«

 

Der Becel-Hersteller hingegen verkündete gleichwohl, "aus wissenschaftlicher Sicht" gebe es "keinen Hinweis darauf, dass der Verzehr Pflanzensterin-angereicherter Produkte mit Nebenwirkungen in Verbindung zu bringen ist.«

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