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Stehle, Prof. Peter

Peter Stehle ist Professor an der Universität Bonn. Er war Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und zugleich Sprecher einer Professorenrunde, die ein fehlerhaftes Entlastungs-Statement für den umstrittenen Geschmacksverstärker Glutamat abgegeben hat. Stehle engagiert sich auch für die Interessen des Food-Multis Nestlé.

 

Er ließ sich in den „Nestlé Experten- und NGO-Beirat“ berufen. Dort „unterstützt er Nestlé in den Aktivitäten zur stetigen Verbesserung der Produktqualität“, wie der Konzern in einer Mitteilung schreibt.

 

Der Professor ließ sich von dem umstrittenen Nahrungskonzern, der vorwiegend ungesunde ultra-verarbeitete Nahrung herstellt, auch ganz direkt für Werbezwecke einspannen, in einer Reklamebroschüre:  Gleich auf der ersten Seite prangte Stehles Foto, und daneben lobte er seine Auftraggeber: „Die Lebensmittelindustrie“ sei sich ihrer „Verantwortung in der Bereitstellung von ernährungsphysiologisch hochwertigen Produkten bewusst“, wolle dafür  die Rezepturen „optimieren“, und Nestlé sei sogar „Vorreiter auf dem Gebiet“, lobte der steuerfinanzierte Professor die Aktiengesellschaft.

 

Die Nestlé-Werbung mit seinem PR-Text lag der Fachzeitschrift Ernährungs Umschau bei, dem offiziellen Organ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der maßgeblichen fachlichen Institution auf diesem Feld, die Regierungen und Medien berät, und deren Präsident Professor Stehle von 2004 bis 2010 war.

 

In dieser Zeit war er auch Sprecher einer Professorenrunde, die dem umstrittenen Geschmacksverstärker Glutamat Unbedenklichkeit attestierte, und zwar bis zu einer stolzen Menge von mehr als einem Kilogramm am Tag für einen Erwachsenen.

 

Auf die erstaunte Anfrage von DR. WATSON musste Stehle damals einräumen, dass sich da leider "ein Fehler eingeschlichen" habe: Nicht 16.000 Milligramm pro Kilo Körpergewicht seien harmlos, wie er in seinem Artikel gemeinsam mit anderen angesehenen Prfessoren behauptet hatte, sondern „nur“ 6000.

 

Doch selbst das entspricht noch mehr als ein Pfund am Tag wäre, was andere Experten allerdings auch noch für hochgefährlich halten. Sie waren allerdings auch nicht eingeladen in den hochkarätigen Expertenkreis, der sich da zur Entlastung des Geschmacksverstärkers mit dem miesen Image zusammengefunden hatte und sein wohlmeinendes Urteil („harmlos für die gesamte Bevölkerung“) in einer Fachzeitschrift veröffentlichte (Consensus meeting: monosodium glutamate - an update).

 

Es handelte sich bei der Konsensusrunde, an der auch der Hohenheimer Professor Hans Konrad Biesalski teilgenommen hatte, um die Nachfolgeveranstaltung für ein Hohenheimer Konsensusgespräch, das Jahre zuvor schon den Geschmacksverstärker entlastet hatte, auf Anregung von Ajinomoto, dem Weltmarktführer bei Glutamat, und bezahlt vom Verband der europäischen Glutamathersteller (Comité des Fabricants d’ Acide Glumatique de la Communauté Européenne, kurz COFAG).

 

Beim „Update“ gab es keine Angaben zu den Finanziers, was in der Leserschaft des Wissenschaftsjournals auf Befremden stieß: „Ich war überrascht“, schrieb ein Ordinarius, dass in dem Artikel „keine Aussage über Interessenkonflikte gemacht wurde.“ Denn eine solche „Erklärung würde es den Lesern erleichtern, ihre eigenen Schlussfolgerungen auf transparentere Weise zu ziehen.“

 

Mittlerweile haben sich im Fall Glutamat die Experten der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa eingeschaltet und massive Bedenken angemeldet, sogar gesetzliche Beschränkungen eingefordert.

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Es informiert über die Auswirkungen der Nahrungsmittel auf den menschlichen Organismus, insbesondere über die Folgen deren industrielle Produktion, auch auf, die Umwelt, den Planeten.

Das ist das neue Paradigma bei der Bewertung: Der Grad der Entfernung von der Natur.

Immer mehr Fachleute in aller Welt sehen dies als wesentliches Kriterium bei der Frage nach dem gesundheitlichen Wert der Lebensmittel.

Denn es ist ein großer Unterschied, ob ein Erdbeerjoghurt selbst gemacht wird, mit frischen Früchten, oder ob er aus dem Plastikbecher kommt. Und die Tiefkühlpizza ist ein völlig anderes Nahrungsmittel als das traditionelle Vorbild. Auch bei den Vitaminen ist es wichtig, ob sie aus einem Apfel kommen, oder aus der Corn-Flakes-Packung, oder gar als Pille aus der Apotheke, dem Drogeriemarkt oder dem Internet.

Es geht im 21. Jahrhundert nicht mehr bloß um Kalorien, um Nährstoffe und Schadstoffe, Viren und Bakterien, um Zucker, Fett, Vitamine.

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