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Phthalate

Die sogenannten Phthalate zählen zu jenen in den Medien zumeist als »Weichmacher« bezeichneten Chemikalien, die das Zusamnmenspiel der Hormone im Körper beeinflussen können (Hormonstörer). Sie fanden sich immer wieder in Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff, wurden dann aber durch weniger problematische Verbindungen ersetzt. Kinder sind nach verschiedenen Studien besonders belastet. Die Phthalate können die Geschlechtsentwicklung und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, aber auch zu zahlreichen anderen Gesundheitsstörungen führen und überdies dick machen. Die Aufnahme durch Lebensmittel, meint die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa, stelle aber „kein Problem für die öffentliche Gesundheit dar.“

 

Bei den Phthalaten handelt es sich um synthetische Verbindungen, die dazu dienen, Kunststoffe flexibler zu machen. Weltweit werden davon Millionen Tonnen produziert, allein vom meistverwendeten DEHP (Bis(2-ethylhexyl)phthalat) sind es über drei Millionen Tonnen. Die „Omnipräsenz“ der Substanzen führe, so die Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa, zu mehreren Aufnahmewegen: neben der Nahrung auch übers Einatmen und über die Haut.

 

Die Efsa hat 2019 die Datenlage ausgewertet und vielfältige Effekte der Phtalate beschrieben, etwa auf das Gehirn, auch auf das Immunsystem, Nahrungsaufnahme und Verarbeitung (Stoffwechsel) und das Fortpflanzungssystem. So kann die Belastung von Schwangeren die Ausbildung der Geschlechtsorgane ihrer Kinder beeinflussen.

 

Dabei spielt offenbar eine Rolle, dass die Phthalate schon vor der Geburt die Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron blockieren können. Dadurch wird auch die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane beeinträchtigt.

 

Nach einer Untersuchung der University of Rochester im US-Bundesstaat New York können die Phthalate den Level von  Testosteron bei Männern um 22 Prozent senken.

 

Bei 188 Männern, die mit unerfülltem Kinderwunsch in eine amerikanische Klinik kamen, war, wie ein Forscherteam der amerikanischen Harvard School of Public Health herausfand, die Spermakonzentration umso geringer, je höher die Belastung mit den Phthalaten war.

 

Dass die Phthalate als heimliche Dickmacher wirken können, fanden Forscher vom New Yorker Mount Sinai Hospital heraus. Sie können, so eine Studie der University of Rochester im US-Bundesstaat New York, zudem bei Diabetes eine Rolle spielen.

 

Bei den untersuchten Männern fanden die Forscher einen »statistisch signifikanten Zusammenhang« zwischen Phthalat Belastung und »Übergewicht im Bauchbereich sowie Insulinresistenz«. Sie befürchten daher, »dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Belastung mit diesen Phthalaten und der zunehmenden Ausbreitung von Übergewicht«, auch der Zuckerkrankheit Diabetes und den damit zusammenhängenden anderen »klinischen Störungen«.

 

Mehrere Studien aus Asien, Europa und den USA deuten darauf hin, dass Phthalate bei Kindern das Risiko für Allergien,  Asthma und Ekzeme erhöhen kann. Andere wiesen auch auf mögliche Veränderungen im Verhalten hin.

 

Auch wenn es noch keine endgültige wissenschaftliche Klarheit gebe, raten Forscher dazu, den Kontakt mit Phthalaten zu verringern, um die Kinder zu schützen.

 

Zur Verringerung des Plastikkontakts generell empfehlen die Verbraucherzentralen, frische, unverpackte Lebensmittel zu kaufen, den Joghurt im Mehrwegglas sowie Getränke in Mehrwegflaschen, und auf Einwegbesteck und Einweggeschirr zu verzichten.

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