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Hohenheimer Konsensusgespräche

Die Hohenheimer Konsensusgespräche sind Gesprächskreise hochrangiger Professoren, bei denen es um Themen von allgemeiner und vor allem kommerzieller Bedeutung geht: Vitamine, Geschmacksverstärker, Nahrungszusätze. Die Ergebnisse der Expertenrunden finden Eingang in Verzehrsempfehlungen oder amtliche Risikoeinschätzungen. Die Konsensusrunden unter dem Wappen der Universität Hohenheim werden von Unternehmen, Industrieverbänden und anderen Institutionen bestellt und bezahlt. Organisator ist Professor Hans Konrad Biesalski. Besonders einflussreich war ein Konsensusgespräch über Glutamat, das vom Lobbyverband der europäischen Hersteller des Geschmacksverstärkers gekauft worden war.

 

Die Universität Hohenheim wirbt im Internet offiziell um Interessenten, die das Ergebnis der gekauften Professorengespräche für ihren Zwecke nutzen könnten: „Für die Industrie besteht das Interesse an den Konsensusgesprächen darin, dass die Konsensusergebnisse eine wissenschaftlich gesicherte Festlegung darstellen, auf die sie sich bei Zulassungsfragen oder Sicherheitsbewertungen stützen können.“

 

Das  Konsensusgespräch zum Geschmacksverstärker Glutamat fand auf Wunsch des Glutamat-Weltmarktführers Ajinomoto statt und wurde bezahlt vom Verband der europäischen Glutamathersteller COFAG (Comité des Fabricants d’ Acide Glumatique de la Communauté Européenne).

 

Konsens war, dass Glutamat »auch in hohen Dosen keine spezifischen Nebenwirkungen aufweist«. Ein sogenanntes »Update« im Jahre 2006 kam zu dem Ergebnis, dass sogar ein Pfund Glutamat am Tag für einen Erwachsenen völlig unbedenklich sei.

 

Sprecher war diesmal der Bonner Professor Peter Stehle, zugleich Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

 

Die Konsensusgespräche wurden professionell vermarktet, zeitweilig über eine Firma der Ehefrau von Professor Biesalski; neben Glutamat handelten sie von Fleisch, Kaffee, von Vitaminen und Antioxidantien.

 

Das ergab eine Untersuchung des zuständigen Wissenschaftsministeriums. Wer die jeweiligen Auftraggeber waren, mochte das Ministerium »aus datenschutzrechtlichen Gründen« nicht mitteilen.

 

Organisator Biesalski warb damit, dass die Kunden dabei »Expertisen zu grundsätzlichen Fragestellungen durch unabhängige Fachwissenschaftler« erhalten, die »sowohl gutachterlich eingesetzt wie auch für Zwecke der wissenschaftlichen Public Relations verwendet werden« könnten.

 

Nachdem die Praxis an die Öffentlichkeit gelangt war (siehe Hans-Ulrich Grimm: Chemie im Essen), untersagte das zuständige Wissenschaftsministerium die Gespräche in ihrer bisherigen Form und verpflichtete den Biesalski, Abgaben an die Universität zu bezahlen und künftig bei den zuständigen Gremien die Erlaubnis einzuholen, Wappen und Namen der Universität zu führen.

 

Grundsätzlich aber begrüßte die Hochschule die Praxis: "Konsensusgespräche sind wertvolle Werkzeuge für den Wissenstransfer", ließ sie in einer offiziellen Mitteilung verlautbaren.

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